Freitag, 19. September 2014

Hail Caledonia - Zum Referendum Schottlands

Nun sind die Wahlbezirke ausgezählt und mit 55,3 % haben die Bürger Schottlands die Unabhängigkeit ihres Landes vom Vereinigten Königreich abgelehnt. Ich habe mir die Mühe gemacht und und die Nacht über den Fernseher mit CNN laufen lassen, um die einzelnen Ergebnisse live mitzubekommen. Ich kann es eigentlich nicht glauben. Die Stimmung im Lande war und ist eindeutig für ein unabhängiges Schottland gewesen. Am Vorabend des Referendums war sogar dem britischen Premier Cameron ob des prognostizierten Ergebnisses der Arsch so weit auf Grundeis gegangen, das er öffentlich über seinen Rücktritt diskutierte.
Ein unabhängiges, freies Schottland, welches weder in der NATO, noch in der EU noch im Euro-Pakt Mitglied ist - das wäre für viele Staaten und Völker der europäischen Zwangsgemeinschaft ein Signal gewesen. Die Südtiroler hätten sich erheben können, die Katalanen und Basken sowieso und auch in  Nord-Irland und Wales hätte man eine entsprechende Volksabstimmung nicht mehr verweigern können. Die Flandern in Belgien hätten auf die Idee kommen können sich von den ungeliebten Wallonen scheiden zu lassen. Bayern hätte vielleicht sogar den Gedanken der Unabhängigkeit weiterdenken können. Die Korsen wollen sich schon seit langem von Frankreich lossagen. Das wäre der Initialzündung für die Völker Europas gewesen, sich endlich den Weg in die Freiheit und Unabhängigkeit zu erstreiten.
Und England ? Nachdem die 40 schottischen Labour-Abgeordneten (und der 1 Konservative) das Unterhaus geräumt hätten, wäre es im Parlament zu einem Rechtsruck gekommen, der einen Mann wie Nigel Farange (UKIP) in die Hände gespielt hätte und früher oder späater den Austritt Englands aus der EU zur Folge gehabt hätte. Das klein-geschrumpfte Königreich an der Themse wäre international zur Drittklassigkeit abgestiegen und seine Bedeutung als militärischer Brückenkopf und politischer Wurmfortsatz Washingtons hätte eindeutig und massiv an Gewicht verloren. Die Energieversorgung der EU hätte - nach Austritt Schottlands und der Nationalisierung des schottischen Nordsee-Öls- einen empfindlichen Schlag erlitten und Zentraleuropa wieder stärker an die Seite Russlands geführt (Was meiner Meinung nach wünschenswerter und logischer ist als das Aufrechterhalten eines transatlantischen Bündnisses).
Aber nein - in letzter Minuten scheinen sich doch tatsächlich allen Umfragen zum Trotz noch etwa 400000 Schotten für den Verbleib bei den ungeliebten Engländern entschieden zu haben. Dabei muss es sich um einen Art nationales "Stockholm-Syndrom" handeln, denn die Vereinigung der Schotten mit den Engländern geschah ja nicht aus freien Stücken, sondern auf dem Schlachtfeld und die letzte schottische Königin wurde auf Befehl der britischen Krone enthauptet.
Wäre ein solcher Wahlausgang in einem Staat der dritten Welt geschehen, so würden heute unsere Politiker lauthals über Wahlbetrug lamentieren. Wäre das Ergebnis in einem Teil Russlands zustande gekommen, so würde die EU vermutlich den Kämpfern für die Unabhängigkeit sogar Waffenhilfe anbieten und die Protagonisten mit bunten Orden schmücken (und sich damit sehr weit aus dem Fenster lehnen). So haben die Schotten zur Freude von Junker, Baroso, Obama und Co dann doch noch den Verbleib in der Unmündigkeit zementiert und es ist fraglich, ob dieses scheinbar freiwillige Verbleiben von Dauer ist. Jetzt muß der Herr Cameron erstmal eine Menge Bonbons unter das schottische Volk streuen, welche ihm dann allerdings in England zum Verteilen fehlen. Wir werden sehen wie weit er kommt.
Heinrich Heine hat einmal geschrieben :"Man kann feindliche Armeen aufhalten - nicht die Ideen, deren Zeit gekommen ist". Es wird 200 Jahre nach Napoleon immer sichtbarer, das die Unabhängigkeit der Völker von Fremdbestimmung immer noch ein Thema in Europa ist und sich die Völker gegen ihren Willen nicht dauerhaft vereinahmen lassen. Dieses Referendum konnte man noch manipulieren - dauerhaft ist Betrug keine Basis.

Unseren schottischen Freunden rufe ich deshalb zu : Noch ist nicht aller Tage Abend ! Hail Caledonia !



Dienstag, 16. September 2014

Lotto - Leider nichts, aber was wäre wenn ?

So, ihr Lieben - der Lottojackpot vom Freitag ist raus. Gewonnen hat ihn (wieder einmal) ein Finne oder war es eine Trichine? Egal, ich war es jedenfalls leider nicht, obwohl ich keine Gelegenheit ausgelassen habe, mich an diversen Tippgemeinschaften zu beteiligen und selber auch noch zwei komplette Scheine mit jeweils neun Reihen gespielt habe. Ich habe zwar diverse Kleingewinne eingefahren und unterm Strich habe ich eigentlich keinen Verlust erlitten, aber an die ganz große Kohle bin ich leider wieder einmal nicht gekommen.
Der Jackpot war aber auch diesmal unverschämt hoch. Nachdem mehrere Wochen kein Gewinn der Klasse 1 (5 Zahlen und zwei Superzahlen) gewonnen worden war, betrug die ausgespielte Summe am letzten Freitag satte

61,170 Millionen Euro !

Ich hatte ja schon die stille Hoffnung dieses Mal würde es mich treffen, aber es war leider nix.
Die Woche über - und besonders wenn man am Zeitschriftenladen die Reklametafeln liest - macht man sich schon einmal so seine Gedanken, was man wohl mit soviel Geld tun würde. Ich neige ja nicht zur Geldverschwendung, aber die Gefahr ist ja groß, das man bei einer solch gewaltigen Summe den Boden unter den Füßen verliert. Ich schickte mich also in einer stillen Stunde an, mir mal konkrete Gedanken darüber zu machen, was ich mit 61,17 Mio € machen würde. 
 Bevor man Pläne schmiedet und zu den krudesten Gedanken kommt, sollte man zunächst einmal seine persönlichen Lebensumstände genau untersuchen. 

1.) Ich bin 47 Jahre alt
2.) ein fauler Hund, der am liebsten auf dem Sofa liegt und 
3.) Junggeselle.  

Daraus ergibt sich schon einmal die Überlegung, das ich weder eine Villa in Bredeney noch ein Fachwerkhaus in der Eifel (oder sonst wo) brauche. Auch die Anschaffung eines Kombi-Fahrzeugs erübrigt sich. Warum sollte ich etwas anschaffen, was ich nicht brauche bzw. was mir nur Arbeit macht. Ich habe bisher vermieden mir Gartenarbeit aufzuhalsen, warum sollte ich jetzt nach einem Haus mit großem Garten gieren? Zwar könnte ich mir dann einen Gärtner leisten, aber ein Garten macht halt doch mehr Arbeit als kein Garten. 
Nein, was ich brauche habe ich fast schon - Eine Eigentumswohnung ! Quasi das, was ich bereits bewohne - nur ein paar Nummern größer. Ich stelle mir da eine sehr elegante Wohnung im 10. oder 11.Stock vor. Mit offenem Kamin, 220 qm Wohnfläche und möglichst im Art-deco-Stil. Das Haus sollte einen gut funkitionierenden Concierge-Service bieten und einen Wachdienst sein Eigen nennen. Dazu noch drei Plätze in deiner beheizten Tiefgarage - fertig. Da habe ich Platz, wohne in guter Lage und habe alles in griffbereiter Nähe. Eine Putzfrau lasse ich durch die Hausverwaltung kommen und fertig. Ich schätze, das ich (nach Vergleich zahlreicher passender Wohnungen) dafür mit Möbeln, Grunderwerbssteuer und Nebenkosten etwa 3.17 Millionen auf den Tisch legen muss.
Sind also noch 58 Millionen Euro übrig !

Wie legt man das Geld am besten an? Verwaltungstechnisch aufwendig sind eigene Immobilien. Man muss sich mit Mietern, Handwerkern und dem Finanzamt herumärgern oder man beauftragt eine qualifizierte Hausverwaltung, über die man sich dann auch noch ärgern darf. Da würde ich doch einen Immobilienfonds bevorzugen. Man ist an guten Anlagen beteiligt, trägt nur ein geringes Risiko und schnippelt am Jahresende seine Coupons ab. Einfach sitzen und kassieren und je nach Fonds sind die Erträge nur teilweise (wegen der hohen Abschreibungen) Kapitalertragssteuerpflichtig. Als weitere Anlage würde ich Aktien namhafter Unternehmen erwerben und ebenfalls einfach liegen lassen. Die Dividenden sprudeln zum Ende des Geschäftsjahres schon genug Geld in meine Kasse. Spekulieren würde ich nicht - wozu auch ? Wenn ich so 55 Mio anlegen würde, hätte ich (nach Steuer!) rund 100.000 € netto im Monat zum Verfrühstücken. Ich glaube das reicht allemal um morgen meine Brötchen zu holen und sogar um einmal im Jahr nach Ascot zur Rennwoche zu fliegen.
2 Millionen lasse ich in kurzfristigem Termingeld liegen (falls ich mal knapp werde) .
Sind also noch 1 Million Euro übrig ! 

Ich habe immer gerne schöne Autos gefahren. Zu einen sitzt man sehr bequem - zu anderen kann man auch recht schnell vorwärts kommen. Ein neues Auto würde ich mir dann schon gönnen. Und das darf ja auch etwas kosten. Mein Traumwagen wäre ein Bentley Continental. Und so einer ist als Jahreswagen(ich bin ja nicht so blöd und kaufe so einen brandneu!) kommt auf etwa 170.000 €. Dazu noch einen kleinen Flitzer für die Innenstadt, wobei mir der Fiat 500 Abart sehr gut gefällt (die kleine Wanze hat immerhin 160 PS!) - und ich bin wieder zweihunderttausend Euro ärmer.
Sind also noch 800.000 € übrig !

Weiterarbeiten ? Nein ! Ich kann in meinem Leben alles verdoppeln und verdreifachen. Ich kann mir ein Hemd kaufen oder zehn. Ich kann einen Jaguar fahren oder fünf BMWs. Aber die Zeit, die mir noch bleibt, kann ich nicht einmal um 1 Minute verlängern. Also würde ich meine verbleibende Lebenszeit bestimmt nicht dazu verwenden aus Langeweile gelbe Autos durch die Gegend zu fahren. Ich würde mir mit Stil,wohltemperiert und ohne Zeitdruck die schönen Gegenden dieser Welt ansehen. Damit dürfte ich die nächsten Jahre vollbeschäftigt sein. Bis die Zinsen und Dividenden allerdings anfallen, dauert es etwa ein Jahr. Also muß ich mir Geld auf dem Konto lassen, um diese Jahr luxuriös und fröhlich an mir vorübergehen zu lassen. Rechnen wir mal mit 20.000 € im Monat.
Sind also noch 560.000 € übrig.

Wenn man soviel Glück hat, dann sollte man die nicht vergessen, die einem Gutes getan haben. Ich werde nicht den Fehler machen und diesen Leuten Bargeld auf den Tisch zu werfen. Das würde ja so aussehen, als würde ich sie für ihre Freundschaft und Hilfe nachträglich bezahlen wollen. Diejenigen, die ich bisher gerne in meinem Dunstkreis hatte, können sicher sein in den nächsten Jahren sehr großzügig bedacht zu werden. Sei es mit einen schönen Urlaub, einem neuen Auto oder einem Scheck für einen Neuanschaffung. Zwei lieben Freunden würde ich eine monatliche Rente aussetzen, damit sie sich nicht mehr anrackern brauchen. Zwei  größere Spenden würde ich allerdings sofort tätigen. Das Zistersienserkloster in Bochum-Stiepel würde eine Dotation erhalten und die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ebenfalls. Das sind zwei Einrichtungen, denen ich mit großer Sympathie gegenüberstehe.
Sind noch 60.000 € übrig !

Mit diesem Geld würde ich mit zwei guten Freunden in den Flieger steigen und 4 Wochen Urlaub machen - wohin kann sich jeder denken (grins).

Nun ja - es hat leider nicht geklappt. Ich hätte mich ja auch mit dem halben Jackpot zufrieden gegeben, aber dieser Finne wollte nicht mit mir teilen. Sei es drum - nächste Woche spiele ich ja wieder Lotto. 


 

Sonntag, 14. September 2014

Geht das auch billiger ?

Diesen Satz höre ich oft. "Wieviel kostet eine Fahrt zum Flughafen?" und schon ohne auf die Antwort zu warten, kommt die Frage "Geht das auch billiger?" dem potentiellen Fahrgast über die Lippen. Nee, liebe Freunde - geht es nicht. Dienstleistungen und Transportleistungen sind genauso eine Ware, wie Lebensmittel, Heilfürsorge oder Versicherungsschutz. Ich möchte mal erleben, das einer von diesen ganz Schlauen in einem guten Restaurant nach Durchsicht der Speisenkarte den Kellner fragt, ob er ihm auf das Filetsteak vielleicht einen Rabatt gewähren könnte, mit der Begründung bei McDonald´s würde er ja viel billiger satt. Ob diese Menschen auch mit Zahnweh zum Zahnarzt gehen und dann fragen, ob es günstiger kommt, wenn die auf die Betäubung verzichten? Wohl kaum - denn in der Regel sind solche Leute kassenversichert und verlangen natürlich eine Behandlung auf dem medizinisch modernsten Niveau (es kostet sie ja nichts extra).
Wie würden solche Leute wohl reagieren, wenn ihr Chef am Monatsende zu ihnen kommt und
fragt: "Sag mal - eigentlich müsste ich dir ja jetzt deinen vereinbarten Lohn ausbezahlen. Kannst du mir nicht 20 % davon Rabatt lassen?" Ein Aufschrei der Empörung wäre die Folge.
Diese "Geiz ist geil"-Mentalität zeigt allerdings erste Spuren in unserer Gesellschaft. Die Innenstädte (früher eine Fundgrube von Fachgeschäften, Boutiqen und gut sortierten Warenhäusern) verkommen zu Stadtviertel mit Dönerbuden, Wettbüros, Telefonläden und Ramschgeschäften. Billiger ist das Warenangebot dort tatsächlich geworden - aber leider nicht mehr preiswert. Denn oft genug sind die angebotenen Artikel und Waren den Preis nämlich nicht wert, da der - quasi fliegende - Händler garnicht an dem Aufbau einer langfristigen Geschäftsbeziehung zum Kunden interessiert ist. Den kümmert nur der kurzfristige Umsatz und der schnelle Gewinn, da ja auch der Kunde heute in der Regel erstmal auf den Preis guckt und nicht darauf, ob er morgen noch für sein ach so billig erworbenes Gut noch einen Lieferanten hat. Die Versorgung ganzer Regionen mit bestimmten Artikeln ist somit ausschließlich den Internetanbietern überlassen. Wie sich dann in Zukunft die Preise entwickeln, wenn erst einmal Zalando und Amazon Monopolstellungen haben, wollen wir uns besser nicht ausmalen. Wie solche Betriebe mit Menschen umgehen (oder aus Preisdruck umgehen zu müssen glauben), kann man in den Medien mitverfolgen.

Aber kommen wir zurück zum Taxi und seinen Preisen. Das Taxigewerbe ist seit der Zeit Friedrichs den Großen gesetzlich geregelt. Der alte Fritz und seine Berater hatten schon erkannt, das eine geregelte Versorgung mit Transportmöglichkeiten nicht dem freien Spiel des Marktes unterliegen darf. Die Preise werden von der jeweiligen Kraftfahrzeug-Behörde festgesetzt, die Fahrzeuge hinsichtlich ihrer Eignung geprüft und das Personal auf Fähigkeiten und Eignung getestet.
Nun gibt es ja ganz Gescheite, die der Meinung waren - DAS geht doch auch billiger ! und entwickelten ein System, in dem halt Kreti und Pleti mit dem Privatwagen zu etwa der Hälfte des Preises die Leute befördern sollten. Man kaschierte das ganze einfach als "Mitfahrzentrale" und pries auf seiner eigenen Homepage schon die Verdienstmöglichkeiten an. Bezahlung sollte über Kreditkarte erfolgen und die Entwickler dieses Programm freuten sich schon, an jeder Fahrt mal eben 20 % des mickrigen Fuhrlohn für sich selber einstreichen zu können. So mancher Mitbürger freute sich auch schon auf die Möglichkeit billiger von A nach B zu kommen.

Nun ist das das wunderbare Beispiel einer Milchmädchen-Rechnung ! Wer heute halt für 10 € (statt 20 € wie mit einem richtigen Taxi) von Frintrop zum Hbf Essen fahren kann, mag jetzt 10 € gespart haben. Wie sieht es denn an Tagen aus wie Weihnachten oder Silvester, wo die Hobby-Kutscher selber feiern wollen? Eine Transport- und Bereitstellungspflicht wie bei Taxen gibt es dort nämlich nicht. Die Vorbestellung zum Flughafen ist natürlich dort 30% billiger, nur kann niemand garantieren, das zum bestellten Zeitpunkt auch ein angeschlossenes Fahrzeug bereitsteht oder der Fahrer in der Lage ist, den Transport auszuführen.
Kein Wagen gekommen  ? - Pech gehabt ! Dadurch das Flugzeug verpasst  ? - Tja - dann versucht mal eine "Mitfahrvermittlung" auf Schadensersatz zu verklagen!
Unfall mit dem billigen Wagen gehabt und ab jetzt arbeitsunfähig ? - Aber das war doch kein geschäftsmäßiger Transport. Da müsst ihr schon den Fahrer auf dem Wege der Privatklage belangen.
Der Mann hat kein Geld ? - Dann hast du die berühmte Arschkarte !

Abgesehen von der Tatsache, das dieses System die Scheinselbständigkeit von Fahrern fördert, die ohne jegliche Sozialversicherung als Tagelöhner arbeiten sollen (und das Arbeitsgerät auch noch selbst mitbringen müssen), ist die Beauftragung eines solchen Dienstes die Förderung von Schwarzarbeit (da die Fahrer ja ohne Gewerbezulassung und ohne steuerliche Gewerbeanmeldung unterwegs ist). Da die Abrechnung ja ausschließlich über Kreditkarte erfolgt, hat das Finanzamt keine Mühe, jedem Fahrer jede Fahrt auf Heller und Pfennig nachzuweisen. Die Steuerforderung kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Bei häufigen Fahrten geht natürlich das Finanzamt davon aus, das die Transporte gewerbsmäßig durchgeführt wurden - die Folge ist der Besuch des Hauptzollamtes und des Gewerbeamtes (mit jeweiligen schönen dicken Bußgeldern und Nachforderungen).

Und wie sieht es beim Kunden aus ? Nun denn - bei einer oder zwei Fahrten wird wohl nichts passieren. Kommt aber eine Kreditkarte öfter unter das Auge des Kontrolleurs (und seines Computers) - dann ist die Strafanzeige wegen Förderung der Schwarzarbeit mit sehr empfindlichen Bußgelder die normale Folge. Und das zu Recht ! Wenn der Uli Hoeneß seine Auslandgeschäfte nicht versteuert, ist das Steuerhinterziehung. Wenn ich mein Mehrfamilienhaus von einer rumänischen Arbeitskolonne ohne Quittung sanieren lasse, ist das Steuerhinterziehung und wenn ich mich ohne Quittung und ohne Gewerbezulassung regelmäßig transportieren lasse, so ist das nicht minder ein Verstoß gegen geltendes Steuerrecht. Das Landgericht Frankfurt hat diesem Spuk - Gott sei Dank - ein schnelles Ende bereitet und die Vermittlung solcher Schwarzfahrten mit hohen Bußgelder belegt, bevor jemand in Folge des mangelnden Versicherungsschutzes zu Schaden kommt (den dann übrigens die Gemeinschaft der Steuerzahler aus der Scheiße holen dürfte). Die Gewerbeordung, das Arbeitsrecht und das Handelsgesetz lassen genug Schlupflöcher den Kunden und den Arbeiter übers Ohr zu hauen. Wer aber meint, unsere Rechtsordnung lasse sich sehenden Auges ins Gesicht spucken, irrt sich. Und das ist auch gut so. Wer glauben machen will, er habe ja nicht gewusst, das es sich dabei um eine gewerbsmäßige Transportdienstleistung handelt, argumentiert im gleichen Stil wie ein Kunde auf dem Vergnügung-Rondell an der Gladbecker Straße, der erzählen will, die jungen Damen aus Bulgarien stünden da zu ihrem Vergnügen.

Wer sich heute darüber wundert, wieso in Deutschland Bauarbeiter arbeitslos sind (weil die Bauten von osteuropäischen Kolonnen gezimmert werden), wieso es nicht möglich ist einen Flughafen fertigzustellen (weil die billigen Firmen teilweise ohne jegliche Qualifikation an der Ausschreibung teilgenommen haben) und wieso es so wenige Fachgeschäfte gibt (weil doch der Anbieter aus dem Internet soviel günstiger war) - der sollte mal sein Konsumentenverhalten hinterfragen. Wer heute bei den Kosten spart, darf sich über umgreifendes Lohndumping nicht wundern und nicht jammern, wenn sein eigener Arbeitsplatz in Zukunft schlechter bezahlt wird.
Billiger geht es - aber es kommt uns dauerhaft einfach zu teuer !

Montag, 25. August 2014

Thomas Langhans - Lichtgestalt(er)

Die Entwicklung der Photographie war ursprünglich als technische Neuerung zur Konservierung realistischer Abbildungen gedacht. Waren zuvor Hunderte oder gar Tausende mehr oder minder begabte Maler damit beschäftigt ihren Auftraggebern so genaue (oder auch wunschgerecht geschönte) Portraits oder Landschaftbilder für den heimischen Salon zu produzieren, so brauchte nun der aus dem Bürgertum stammende Herr Kommerzienrat oder die alte Reichsfreifrau nicht mehr stundenlang in zugigen, aber hellen Dachateliers verharren um sich abkonterfeien zu lassen. Nein - eine kleine Platte in einer Photokamera bannte die in Ehren erworbenen Falten in wenigen Augenblicken auf Papier und sorgte so neben der Arbeitslosigkeit im Portraitmaler-Handwerk für eine neue Kunstform : Die Photographie.


Schönheit im Verfall
Die erste Photographie (noch auf asphalt- und silberbeschichteter Kupferplatte) zeigte den Ausblick aus dem Arbeitszimmer des Rechtsanwaltes Niépce in Le Gras und stammt aus dem Jahre 1827. Seit dieser Zeit sind Millarden von Bildern entstanden. Spätestens seit der Erfindung der erschwinglichen Handkamera versuchten sich Generationen von Hobbyfotografen mit teils erbärmlichen Ergebnissen, die dann, zu guter Zeit als Abendunterhaltung ganze Familien- und Freundeskreise in die Flucht schlugen. Mit der Photographie ist es eben wie mit der Malerei. Farbe auf Leinwand zu brngen ist nicht schwer. Wirklich gute Werke zu produzieren, dafür bedarf es eines begnadeten Künstlers. Es bedarf des untrüglichen Gespürs für den richtigen Moment, den richtigen Lichteinfall, das richtige Motiv und  die künstlerische Aussage. Das ist nicht erlernbar - das ist reines Talent. Die Kunstphotographie steht deshalb in einer Linie mit der Malerei, aus der sie ja eigentlich entstanden ist und die Photographen sind die modernen Kunstmaler.

Kündende Lichtkunst
Thomas Langhans ist eine Persönlichkeit die in erster Linie eine hervorstechende Eigenschaft hat : Sein Perfektionismus. Bedingt duch sein Studium als Ingenieur und seine Tätigkeit als Informatiker und Wissenschaftler ist er ein Mensch, der seine Leistung stets an das Optimum zu bringen sucht. Er duldet keine "zweite Wahl", keine Kompromisse und keinen Pfusch. Diese charakterliche Linie setzt sich in seiner Berufung als Kunstphotograph fort. Auch hier lässt er keine Schwächen zu - sei es bei der handwerklich-technischen Ausführung oder bei der Wahl der Motive. Hier zeigt sich das, eingangs erwähnte, nicht erlernbare Talent. Das hat er einfach üntrüglich im Bauch. Aus der Mischung zwischen handwerklicher Perfektion und künstlerischem Talent lässt Thomas Langhans Bildkompositionen entstehen, die sich mit den heute schon bekannten internationalen Größen der Kunstphotgraphie wie z.B. Christian Schad, August Sander oder  Henri Cartier-Bresson ohne Zweifel messen können.

Die Vergänglichkeit des Seins - eingefangen auf Fotopapier
Wir sehen hier einen großen Künstler vor dem Durchbruch. Wer sich die Mühe macht, seine Werke in Ruhe und mit Hingabe zu betrachen, wird um eine Reflexion seiner eigenen Weltsicht nicht umhin können. Und genau das ist es, was einen wirklichen Künstler ausmacht. Das In-Gang-Setzen eines geistigen Prozesses beim Betrachter. Das subtile Vermitteln einer neuen Sichtweise und die damit verbundenen Erweiterung des eigenen Horizontes. Ein optisches Opium zur Erlangung einer neuen Bewußtseinsebene. Kunst kommt nicht von "Können", sondern von "Künden". Wenn sich aber die künstlerische Botschaft mit handwerklicher Perfektion zu einer genialen Symbiose verbindet, dann entstehen große Werke der Kunstgeschichte. Und dazu bedarf es in der Photographie einer künstlerischen Lichtgestalt wie Thomas Langhans

Der Meister bei der Arbeit
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ANMERKUNG : Thomas Langhans stellt zur Zeit eine Auswahl seiner Werke in der 

Gaststätte "Große-Segerath" in der Lohstraße 83, 45359 Essen-Bedingrade 

einem interessierten Publikum vor. Es ist lohnenswert, die Werke des Meisters einmal aus der Nähe zu betrachten.

Donnerstag, 14. August 2014

Der Sommer bringt es an den Tag - oder Ästhetik der Straße

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und es sind Ferien. In den Grünanlagen meiner Heimatstadt Essen treffen sich junge Pärchen zum verliebten Spaziergang, Freundeskreise nutzen die Gärten zum gemütlichen Grillen und in den Straßencafé finden selbst Stammkunden nur schwer einen verträumten Platz. Die steigenden Temperaturen signalisieren auch dem unbedarften Zeitgenossen - ES IST SOMMER !
Wenn ich aber so vor meiner Tasse Espresso doppio sitze und meinen Blick in die Umgebung und besonders auf die vorbeiflanierenden Menschen richte, so ist mir eines aufgefallen. Man kann über Moderichtungen denken wie man will - der Sinn für äthetisches Auftreten ist den meisten Menschen scheinbar abhanden gekommen. In den Outfits der meisten Männer wäre mein Großvater noch nicht einmal zum Aufräumen in den Keller gegangen oder hätte die Post aus dem Kasten geholt. Und über den Auftritt der Damenwelt fällt es mir schwer bei der Wortwahl nicht in die Subkultur von Schimpfwörtern hinabzusteigen. Einfach furchtbar.
Man hat sich ja mit den Jahren an sehr Vieles gewöhnen müssen. Die Punker zB. mit  teilrasierten Schädeln mit pink- oder grüngefärbten Haarresten. Oder Zerrissene Hosen, Löcher in den Schuhen, Flatterkleider mit Blümchenmuster, Plateaustiefel u.ä. . Es ist zum Weinen, mit welchem Elan jegliche Modetorheit in die Öffentlichkeit getragen wird. Und es ist ja nicht so, daß es sich hierbei um seltene Ausnahmeerscheinungen profilneurotischer Teenager handelt. Menschen, die vom Alter her eigentlich ihre Jugenddummheiten lange (zum Teil sehr lange) hinter sich haben müssten, bevölkern die Szenerie der Innenstadt und tragen einen Modegeschmack zur Schau, der einfach nur erbärmlich schlecht ist.
Da werden zu kleine Büstenhalter mit zu großen Armausschnitten kombiniert, so daß als Folge herausquellendes Fleisch (ergänzt um schlechtrasierte Achselhöhlen) schweißglänzend dem Betrachter den Appetit verdirbt. Da werden luftige Tops und T-Shirts mit ungewaschener (d.h schon teils grau schimmernder) Unterwäsche präsentiert. Da werden Beine, die eigentlich eher vom Format her einem Bergwerksstempel zur Ehre gereichen würden, in kurzen Hosen durch die Straßen gestelzt.
Wenn man schon nicht die Idealform eines trainierten Körperbaus sein Eigen zu nennen das Vergnügen hat, so sollte es eine Frage des Respekts gegenüber anderen Menschen sein, diese Körperverwerfungen nicht noch ungepflegt öffentlich zur Schau zu stellen. Ich selber bin auch kein Adonis - eine kurze Hose würde ich nicht einmal im Urlaub am Strand tragen !
Auch die Unsitte primitiver Völker ihre Körper in Ermangelung von Schmuck oder Bekleidung mit allerlei Bemalung oder Bleckzierat zu schmücken, wird leider in inflationärer Weise von jungen Menschen kopiert. Ein Nasenring mag eine Watussi oder eine Massai traditionell durchaus schmücken - in unseren Breiten wirken übertriebene Tätowierungen oder Piercings einfach nur als gescheiterter Versuch sich von der Masse der Menschen abzuheben. Tätowierungen waren einstmals von Seeleuten nach Europa gebracht worden, die diese trugen, um sich im Falle eines Schiffunglücks (und dem Auffinden des eigenen Leichnams) eindeutig identifizieren lassen zu können. Daher auch der goldene Ohrring der Seeleute (für dessen Wert man ein christliches Begräbnis bekam). Da ich aber nicht annehme (und im besorgten Interesse um das Ansehen der Marine auch nicht hoffe), das sich die Mehrzahl unserer Tätowierten für einen Dienst in der Deutschen Marine entscheiden werden, darf man hoffentlich davon ausgehen, das diese unäthestische Modesünden und Körperverschandelungen spätestens bei einsetzender Cellulitis kostenpflichtig einem Hautarzt zur Entfernung übergeben werden.
Wenn ich mir heute die Figuren der Menschen betrache ist mir auch noch etwas aufgefallen. Werden die Beine der jungen Damen immer kürzer und die Oberkörper immer länger ? Oder liegt es daran, das die Hosen alle auf "Halbmast" hängen und die Oberteile krampfhaft über das sonst freiliegende Arschgeweih gezogen werden ? Ein Hintern gehört in die Hose und die Gesäßtasche nicht auf die Höhe der Kniekehle ! Hat man diesen Menschen denn nicht einmal gezeigt, wie man sich vernünftig anzieht ? Eleganz ist keine Frage des Geldbeutels. Es ist vielmehr die Fähigkeit seine eigenen Unzulänglichkeiten mit seiner Kleidung in Einklang zu bringen. Diese Fähigkeit wird heute wohl nicht mehr dem Nachwuchs vermittelt, denn sonst wüsste besonders unsere weibliche Jugend, das "bauchfrei" auch "frei von Bauch" bedeutet und nicht "gepiercte Dönerrolle". Wenn ich schon tonnenhaft durch die Straßen rolle, so tue ich gut daran, nicht wie eine Reklameaktion der CMA für die Förderung des Schweinefleischkonsums zu wirken.
Auch scheinen es einige Menschen mit der Körperhygiene nicht mehr so genau zu nehmen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, das mir meine Großmutter mit schöner Regelmäßigkeit 4711 hinter die Ohren tupfte, wenn ich vom Spielen wieder an den Kaffeetisch kam. Heute marschieren, walken, joggen und jumpen junge Menschen sportlich durch die Stadt um dann im Café schweißgebadet neben Menschen Platz zu nehmen, die die Exotik ihrer herben Körperdüfte nur begrenzt zu würdigen wissen. Früher zog man sich wenigsten vorher in den Waschraum zurück, wechselte kurz das Hemd und senkte seinen olfaktorischen Wert durch Duftwasser oder Deospray. Es ist keine Frage der Sportlichkeit seinen Mitmenschen seine Ausdünstungen vorzuenthalten. Es ist eine Frage der Rücksicht, der Erziehung und der Ästhetik.
Der Sommer geht nun langsam zu Ende und bis dahin müssen wir wohl sonnenhungrig und kaffeedurstig in den Straßenkaffees die pseudo-künstlerisch verschandelten Anblicke der Menschen ertragen, die Gerüche ihrer verschwitzter Leiber aushalten und können nur darauf hoffen, das wenigstens der Herbst in diesem Jahr so früh kommt, das es dem geneigten Betrachter nicht dauerhaft die Lust am Sommer und seiner Caféhausbesuche verdirbt.

Samstag, 26. Juli 2014

50 Shades of - BÄH !

Darauf haben Millionen von Mädchen und Frauen lange gewartet. Endlich kommt die Verfilmung von "50 Shades of Grey" in die Kinos. In Folge der visuellen Horizonterweiterung werden wohl Merchandise-Produkte wie Reitgerten und Lederfesseln neue Verkaufsrekorde erzielen. Junge Männer werden mit leicht gerötetem Kopf im Baumarkt Seile und Karabinerhaken kaufen, während die Lebensabschnittgefährtin nägelkauend im Auto wartet und der Erfüllung neuer Begierden entgegenfiebert. Man (Frau) hat es ja gelesen, man (frau) hat es ja gesehen - die etwas härtere Variante zwischenmenschlicher Beziehung kommt in Mode. War es bisher nur die Lesewütige, die mit den seelischen Abgründen Mr.Grey und seiner emotionalen Errettung durch eine junge Studentin konfrontiert worden war, so kann seit der Ankündigung der Filmes auch die Klientel bedient werden, deren Stärke das Lesen nicht ist.
Bei Licht betrachtet ist dieser Roman einfach miese Literatur. In schlechtem Stil geschrieben, mit stark begrenzter Wortwahl übersetzt und im Inhalt ausschließlich der Durchblutung des Unterleibs gewidmet, stellt die Triologie der Autorin einen Tiefpunkt literarischer Arbeit dar. Ungeachtet der unbestrittenen Verkaufserfolge ist das eigentlich nur ein weichgespülter SM-Porno. Die Beziehung zwischen den Akteuren basiert auf der alten und abgedroschenen Geschichte der Errrettung des Bösen durch das Gute durch Hingabe und Zuneigung. Danke - das haben wir schon von Shakespeare und Schiller besser gelesen.
Wie sieht es denn in der Realität aus ? Nun, ja - ich wollte in meinen Blog eigentlich keine Blicke in mein Schlafzimmer gewähren, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, daß das Praktizieren von SM eine Kunstform darstellt, die vor allem auf Erfahrung und Einfühlungsvermögen basiert. Da gehen den meisten jungen Damen sehr schnell die Pferde der Phantasie durch und sie werden in der Realtiät noch schneller feststellen, daß eine SM-Session mit ihrer Phantasiewelt nur sehr schwer in Einklang zu bringen ist. Ich habe da mal eine junge Dame gekannt, die nach eigenen Angaben "starke masochistische und devote Züge" hatte. Sehr gekonnt vermittelte sie mir den Eindruck über einen gewissen Erfahrungssatz zu verfügen und "schon einiges" mitgemacht zu haben. In der Realität sah es dann so aus, das sie zwar mit schöner Regelmäßigkeit härtere Praktiken besprechen wollte, aber weder in der Lage war, ihre devote Rolle wirklich einzunehmen, noch fähig war selbst leichteste Maßnahmen klaglos zu ertragen. Dieses "topping by the bottom" (bei dem der scheinbar devote Partner das "Drehbuch" schreibt) steht allerdings im krassen Gegensatz zu wirklichem SM. Das sich wirkliche Ausliefern an den Partner, basierend auf Vertrauen und wirklicher Lust, sabotierte sie mit schöner Regelmäßigkeit durch unqualifizierte Kommentare und gekonnt einsetzender Übelkeit. Mit solchen Partnern macht eine Session so viel Spaß wie ein Diskussionsabend mit Alice Schwarzer. Noch drolliger wird die Sache allerdings vor dem Hintergrund, das genau diese junge Dame sich regelmäßig wechselnde Partner in entsprechenden Foren sucht, wobei sie besonders Praktiken der Atemreduktion zu bevorzugen angibt - eine Praktik, die auf Grund ihrer Komplexität und dem Gefahrenpotential einen großen Erfahrungsschatz und ein besonders hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen benötigt. Macht man da einen Fehler oder gerät in Panik, braucht man für seinen Partner nicht einmal mehr einen Arzt zu rufen, sondern verständigt besser direkt einen guten Strafverteidiger.
Wer nach dem dritten Gertenhieb auf dem Hintern jammert, wer das Tragen eines Halsbandes als Unmöglichkeit ansieht, wer meint den dominanten Partner maßregeln und kritisieren zu können, der wirkt nunmal wie der angebliche Porschefahrer, der noch die Fahrradklammern an der Hose hat.
Kern einer SM-Beziehung ist nun mal die Aufgabe (oder des lustvollen Brechens) des Willens des devoten Partners - alles andere sind Cowboy-und-Indianer-Spielchen.
Durch solche Literatur und deren Verfilmung (die mediengerecht natürlich entschäft werden muß) wird es zu einer Zunahme solcher Momente im Leben vieler junger Menschen kommen. Angeregte Phantasie trift auf reale Unzulänglichkeit - Frustration inklusive. Denn weder die unerfahrenen frisch selbsterkannten Devoten, noch die in der Praxis überforderten  Neo-Dominanten werden ihrem nun an sich selbst gesellten Anspruch gerecht werden können.
Trotzdem wird der Film als DVD ein Renner werden. Im stillen Kämmerlein werden zahlreiche KonsumentInnen ihren Fernsehabend neben der Pizza und der Chipstüte um den Vibrator ergänzen. Der steigende Absatz von Batterien wird mir Recht geben.

Sonntag, 20. Juli 2014

Bombenstimmung. Gedanken zum 20.Juli

Nun ist es wieder einmal so weit. Der 20.Juli steht ins Haus und neben einiger salbungsvoller Worte unseres bundespräsidialen Ersatz-Jesus aus Rostock im Bendler-Block zu Berlin anlässlich der Vereidigung junger Bundeswehr-Rekruten sendet das deutsche Fernsehen zeitversetzt auf allen Kanälen mehr oder minder gelungene semi-dokumentarische Spielfilme mit einer zum Helden stilisierten Person - Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Es ist eigentlich müßig, hier die Ereignisse vom 20.07.1944 noch einmal zu beleuchten. Zu sehr wurden bereits durch o.g.Filme und Zeitungsartikel der missglückte Bombenanschlag auf Adolf Hitler in allen Details einer breiten Öffentlichkeit zugetragen. Die medienwirksame Heroisierung dieses Oberst im Generalstab möchte ich hier nicht durch Ausbreiten der bekannten Details vertiefen.
Ich möchte nur hier mal eine Frage beleuchten ? Waren Oberst Stauffenberg und seine Herren im Generalstab wirklich die Helden als die sie uns heute vermittelt werden. Waren sie "die deutschen Widerstandskämpfer" die quasi mit blütenreiner Weste das bessere Deutschland durch die Nazi-Zeit gerettet haben? Ich sage hier ganz klar Nein !
Als am 20.Juli die Bombe unter dem Kartentisch in der Wolfsschanze detonierte, ging es den Verantwortlichen nicht um die Manifestation eines anständigen Volkes unter der Knute einer Gewaltherrschaft. Zum Volke fühlten sich die Herren mit Monokel und roten Biesen an den Uniformhosen nicht zugehörig. Sie betrachteten sich als Führungselite und als durch Adel und Grundbesitz zur Führung prädestinierten Klasse. Es ging ihnen auch nicht um die Erhaltung des deutschen Volkes. Sie dachten eher in internationalen gesellschaftlichen Ebenen und nicht wenige von ihnen hatten ihre Ausbildung in exklusiven Internaten in der Schweiz oder an englischen Eliteschulen absolviert. Um Demokratie ging es ihnen schon gar nicht. Adligen, die seit Friedrich dem Großen als großagrarische Grundherren oder privilegiertem Beamtentum ihr Dasein und Fortkommen aus der familiären Bindung zum jeweiligen deutschen Potentaten herleiteten, hatten mit der Demokratie nicht viel im Sinn. Ihr Ziel war eigentlich ein Ständestaat, in dem sie geburtsrechtlich die Führungsrolle an sich binden konnten und für die schon die Vorstellung ein bürgerlicher Emporkömmling würde in die Ränge von Staatsräten oder Stabsoffizieren aufsteigen können einen Grad der Unerträglichkeit darstellte, der heute unvorstellbar ist.
Der Nationalsozialismus hingegen bot für fast Jeden die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs und propagierte in Opposition zur "klassischen" Hochschulbildung das Ideal des schaffenden Werktätigen und den aus der Praxis aufgestiegenen Ingenieurs. Der Ingenieur-Offizier als gleich besoldeter Kamerad war natürlich für einen "von und zu" mit 200 Jahren Stammbaum kein Kamerad im eigentlichen Sinne. Das solche "Leute" überhaupt Offiziere und (in begrenztem Maße) sogar Generäle stellen durften, war für die Adligen nur erklärbar mit dem hohen blutzollbedingten Ausfall von Offizieren an der Front. Gleichberechtigung war ihre Sache nicht. Es ist dabei bemerkenswert, das von den im Rahmen der in Folge des 20.Julis verhafteten Mitverschwörer kaum ein aus "kleinen Kreisen" entstammender Offizier oder Beamter zu finden ist.
Es muß also für die Widerstandsgruppe in des Heeres (merkwürdigerweise nicht in der Luftwaffe oder der Marine, wo ein Aufstieg nur durch persönliche Leistung und nicht durch das Protegé der Herkunft möglich war) andere Gründe geben.
Das nachträgliche Erschrecken über die unbestrittenen Gräueltaten des NS-Regimes kann es kaum gewesen sein. Das "demokratische" Offizierskorps der "Weimarer Republik" protestierte nicht, als nach dem Tode Hindenburgs eine Vereidigung auf den "Führer" erfolgte. Die frisch aufgerüstete Wehrmacht legte keinen Widerspruch ein, als die SA mit ihrem Stabschef Röhm mittels Gewehrkugeln ihrer Führung beraubt wurde und die Toten als Opfer von "Staatsnotwehr" von Hitler selbst im Reichstag zugegeben wurden. Die Wehrmachtselite rührte sich nicht, als Sozialdemokraten und Kommunisten in Lager gesteckt wurden. Kein Ton war von der "moralischen Führungseilte des deutschen Volkes" zu hören, als man 1938 den Rosensteins,Levis und Salomons die Schaufenster einwarf und die Verfolgung andersgläubiger ihren Lauf nahm. Auch als man Polen, Frankreich, Dänemark, Belgien und Jugoslawien quasi im Handstreich militärisch geschlagen wurden zogen es die Herren vor, lautlos ihre Beförderungen, Dotationen und Orden willfährig in Empfang zu nehmen. Gelegentliches gesellschaftliches Räsonieren über den "böhmischen Gefreiten" im Offizierscasino oder auf dem Rennplatz einmal außer Acht gelassen.
Der feine Herr Oberst Stauffenberg hat sich auch als Chef des Stabes beim Führer des Ersatzheeres nicht geschämt, 16jährige Schulbuben in Uniform zu stecken und an die Front zu senden. Das muntere Hin- und Herschieben von Ersatzdivisionen aus Schulkindern, Kriegsinvaliden  und Frührentnern hatte den Herren Offizieren mit Adelsprädikat nicht sehr viel ausgemacht. Den eigentlichen Willen zum aktiven Widerstand hatte eine ganz andere Ursache. Die meisten Adelfamilien begründeten ihre Existenz auf Grundbesitz und hohen Beamtenposten. Die Erhaltung des deutschen Staatswesens war also die Garantie für die spätere Zahlung üppiger Pensionen und der Russe bedroht mit seiner siegreichen Roten Armee bereits die Ausläufer ihrer ostelbischen Krautäcker. Da mußte schließlich gehandelt werdem Wovon sollte denn die alte Reichsfreifrau von XY leben, wenn ihre Familie der Erträge landwirtschaftlicher Ostgebiete oder der Legatonsratspension beraubt worden wäre. Man konnte ja nicht ahnen, das eine Bundesrepublik diesen Herrschaften großzügige Lastenausgleichszahlungen leisten wird und die Pensionen weiterlaufen. Nein, man mußte handeln, wollte man nach einem (wenn auch verlorenenen) Krieg die Grundlagen der eigenen Kaste erhalten. Und so legte der Herr Oberst am 20.Juli einen Sprengsatz unter den Kartentisch der obersten Heeresleitung in der selbstüberschätzten trügerischen Hoffnung, die alten internationalen Freunde mit der anderen Feldpostnummer würden einen Separatfrieden abschließen, damit man zumindest den bösen Russen weiter bekämpfen kann. Das es einem Oberst des Heeres nicht gelang, eine Lagebaracke fehlerfrei in die Luft zu sprengen, was jedem Unteroffizier der Pioniertruppe gelungen wäre, sei hier nur am Rande erwähnt. Die organisatorischen Gründe des Scheiterns dieses Putsches werfen ein gleichsam erbärmliches  Licht auf die militärischen Fähigkeiten der "Heereselite" um die Herren um Graf Stauffenberg
Auf die Person des Grafen Stauffenberg bin ich übrigens als Kind zufällig gestoßen. Ich ging mit meinem Großvater einkaufen. Er kaufte sonst immer bei Edeka ein, jedoch folgte er einmal dem Rat doch sein Glück bei ALDI zu versuchen. Wir fuhren mit dem Einkaufswagen durch die Gänge, als mein Großvater vor dem Brotregal plötzlich stoppte. Er nahm ein Paket geschnittenes Brot aus dem Regal und betrachtete eine Zeit lang die Aufschrift "Brotfabrik Staufenberg" . Sein Kommentar "Jetzt backt der Bombenleger schon Brot!"